Unser Konzept

„Kommt, lasst uns unsern Kindern leben!“

Dieses Zitat Friedrich Fröbels drückt aus, wie er seine Aufgabe als Erzieher begreift. Fröbel meint damit, dass die Erwachsenen mit den Kindern und für die Kinder leben sollen, damit diese sich durch die begleitende Erziehung selbst entwickeln können. Diese Selbstentwicklung findet innerhalb eines vorgegebenen Rahmens statt, der sich als „Kindergarten“, also als Haus und Freigelände manifestiert. Alle Kindergärten arbeiten nach einem impliziten oder expliziten Konzept. Der Fröbel-Kindergarten Hechendorf arbeiten auf der Grundlage einer weiterentwickelten und aktualisierten Fröbel-Pädagogik im Rahmen des Bayerischen Erziehungs- und Bildungsplans (BEP). Anders als bei anderen Einrichtungen steht bei uns nicht nur Fröbel drauf sondern ist auch drin: Alle Teammitglieder haben Fort- und Weiterbildungen zur Fröbelpädagogik besucht und diese mit einem Zertifikat oder mit dem Fröbel-Diplam der Katholischen Stiftungsfachhochschule in München abgeschlossen. Die hohe Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter garantiert, dass die Grundsätze der Fröbel-Pädagogik im Fröbel-Kindergarten Hechendorf bestimmungsgemäß umgesetzt und im Kindergartenalltag angewandt werden. Aus der Kindergartenordnung des Fröbel-Kindergarten Hechendorf

„3.3 Das inhaltliche / methodische Konzept des Fröbel- Kindergartens

3.3.1 Grundsätze und Hauptziele

  • Alle Menschen, besonders die Kinder, haben ein Recht auf allseitige Bildung und Erziehung. Dieses Recht wird in der Praxis des Fröbel- Kindergartens sehr ernst genommen und die ErzieherInnen bemühen sich täglich um dessen Umsetzung. Jeder Mensch soll – ausgehend von seiner Befindlichkeit – erzogen und gebildet werden. Alle Unterschiedlichkeiten, ob körperlicher, seelischer oder geistiger Art, ab national, rassisch, weltanschaulich oder kulturell werden wahrgenommen und als Vielfalt in der Einheit der Menschen geschätzt. In Fröbels Menschenverständnis gibt es keine „Behinderung“, jeder Mensch ist als Teil der Menschheit einmalig. Dies schließt besondere Hilfe oder Unterstützung unter Beachtung des Willens und der Befindlichkeit des jeweiligen Menschen mit ein.
  • Fröbelpädagogik ist Tätigkeitspädagogik, das heißt, Kinder werden nicht belehrt, sondern sind selbst aktiv und erleben.
  • Die Sprachpflege ist vom Säuglingsalter an ständige Aufgabe der Erwachsenen. Das „begleitende Wort“ der ErzieherIn zu Handlungen, Erfahrungen und Befindlichkeiten ergänzt und erläutert im Dialog mit dem Kind, was gerade geschieht. Zur Sprachpflege gehört auch die Begegnung mit Geschichten, Bilderbüchern und Märchen und die Beachtung der nonverbalen Kommunikation (Blicke, Gesten, Körperhaltung).
  • Ganzheitliche Erziehung und Spielpflege unter Berücksichtigung aller Bildungsbereiche gehören zusammen.
  • Eltern und ErzieherInnen müssen den Kindern ehrliche und konsequente Partner sein, die ihnen eine verlässliche Orientierung bieten.
  • Kinder im Kindergartenalter lernen vor allem durch Nachahmung eines Modells, also der Eltern, ErzieherInnen oder anderer Kinder. ErzieherInnen müssen sich dessen bewusst sein und ihr Verhalten entsprechend reflektieren.
  • Die Förderung der Kinder in einzelnen Bereichen findet einzeln, in Kleingruppen und in der ganzen Gruppe im Rahmen der Spielpflege statt. Kinder, die ein Jahr vor der Schule stehen, werden regelmäßig zu bestimmten Aktivitäten zusammengeholt.
  • Ethische Grundsätze auf der Basis christlicher Sinngebung bestimmen die Atmosphäre im Kindergarten.
  • Die seelische, geistige und körperliche Gesundheit als Ganzheit wird in Zusammenarbeit mit den Eltern alters- und entwicklungsgerecht unterstützt.

3.3.2 Das Miteinander von Erziehenden und Kindern im Fröbel-Kindergarten

Jeder Mensch ist gemäß Fröbels Welt- und Menschenbildes gleichwertig und gleichberechtigt. Dies gilt auch für das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern. Jede Phase der menschlichen Entwicklung (Kindheit, Jugend, verschiedene Abschnitte des Erwachsenenalters) hat ihre Besonderheiten, die im Miteinander zu berücksichtigen sind. In der Fröbelpädagogik werden Aufmerksamkeit und gegenseitiger Respekt erwartet. Zuhören, Mitfühlen, Rücksichtnahme, Interesse am Anderen, gegenseitige Akzeptanz, Hilfe und Unterstützung und der Austausch von Ideen, auch bei Konflikten, Organisations- und Sachproblemen, sollen von Kindern und Erwachsenen gemeinsam im Alltag (aus-)geübt werden.

3.3.3 Ganzheitliche Erziehung und die einzelnen Bildungsbereiche

Im ganzheitlichen Erziehungsansatz Fröbels geht es grundsätzlich darum, Inneres zu äußern und Äußeres zu verinnerlichen – auf allen Gebieten. Es wird nicht ständig Neues angeboten, Wiederholung führt zur Vertiefung und zu gelöster Freude.
  • Der Bildungsbereich Musik und Bewegung umfasst sowohl das Singen, rhythmisches Sprechen, Spiel mit Instrumenten, Bewegung und Tanz als auch das Turnen.
  • Bei Aufenthalten in der Natur erleben die Kinder diese, beobachten und erforschen sie. In den „Gärten der Kinder“ pflegen sie ihre Beete und übernehmen Verantwortung für diese.
  • Die Tätigkeit des Menschen, die Ergebnisse von Arbeit und gesellschaftliche Zusammenhänge werden als Bestandteile der kulturellen Umwelt erkundet. Auf vielfältige Weise wird Sachwissen in den Bereichen Natur, Kultur, Gesellschaft und Technik vermittelt.
  • Der sogenannte „Bauplatz“ bietet Raum zum Bauen und Konstruieren und ist der Bereich für die kognitiv-soziale und technische „Ausbildung“.
  • Beim Malen, Zeichnen und dreidimensionalen Gestalten äußert das Kind individuelle Gefühle und Erkenntnisse. Damit ihm das gelingt, ist eine altersgerechte technische Anleitung nötig. Orientierung für die Gestaltung ihrer Arbeiten bieten den Kindern die Werke großer Meister aus allen Epochen, technische Zeichnungen und Fotografien und vor allem konkrete Objekte aus Kultur und Natur.
  • Spiel mit der Wirklichkeit oder die eigenwillige Nachahmung gesellschaftlicher Erscheinungsformen – die Kinder teilen in Fantasie- und Rollenspielen ihre Erfahrungen mit der Welt mit, setzen sich mit ihnen auseinander und finden Variationen und Alternativen – sind ein erster Beitrag zur Toleranz.

3.3.4 Das Spielgaben-, Spiel- und Beschäftigungsmittel-System Fröbels

Für das Spiel der Kinder bis zum Schulalter und auch darüber hinaus hat Fröbel ein Spielgaben- und Beschäftigungsmittel-System entwickelt, in dem sich die jeweilige Erkenntnis-, Gefühls- und Lebenswelt des Kindes in vielen Variationen im Spiel wiedergeben lässt und das den Kindern ein fast unbegrenztes Betätigungsfeld bietet. Viele Elemente des Systems, wie Musik und Bewegung, Sprachpflege oder die Begegnung mit der Natur, wurden bereits genannt. Als eine der Besonderheiten seien hier die gegenständlichen Spielmittel erwähnt, deren Auswahl auf mathematischen Vorstellungen basiert. Bis zum sechsten Lebensjahr erhalten die Kinder Körper wie Kugel (Ball), Walze und Würfel und Würfelkästen, in denen jeweils ein Würfel durch verschiedene Schnitte geteilt ist, als Spielgaben. Im Spiel geht es um Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesse, ästhetische, ethische und soziale Erfahrungen, die diese sich in ihrer Komplexität steigernden Spielgaben ermöglichen. Im Umgang mit entsprechendem Spielmaterial, z.B. Legetafeln, und in vielfältigen gestalterischen Aktivitäten (z.B. beim Falten, Flechten und Fädeln) erfahren die Kinder Gesetzmäßigkeiten zu Fläche, Linie und Punkt. Ein Überblick über das gesamte System der Spielgaben, Spiel- und Beschäftigungsmittel ist in der ausführlichen Konzeption des Fröbel-Kindergartens enthalten.

3.3.5 Zusammenarbeit mit den Eltern und Gemeinwesen

Die weltbekannte Aufforderung Fröbels „Kommt, lasst uns unsern Kindern leben!“, das heißt mit und für sie, ist vor allem an die Menschen, die täglich mit den Kindern umgehen, gerichtet: an Eltern und ErzieherInnen. Mit Kindern zu leben kann auch dem eigenen Leben tiefen Sinn und Freude geben. So nennt Fröbel den Kindergarten einen Ort der Lebenseinigung, an dem für alle, Kinder, Eltern und ErzieherInnen innere und äußere Übereinstimmung möglich werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass Eltern das pädagogische Konzept des Kindergartens vorgestellt bekommen und ihm zustimmen. Im Bemühen um das Wohl des Kindes tauschen sich Eltern und ErzieherInnen in partnerschaftlicher Weise über die Entwicklung und Erziehung des Kindes aus und respektieren dabei die jeweiligen Zuständigkeiten. In Anwesenheit der Kinder sprechen sie nicht über die Kinder, sondern mit ihnen. Eltern und andere Bezugspersonen sind im FRÖBEL-Kindergarten nicht nur zum Helfen, sondern auch als Gäste oder Leute mit besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten gern gesehen. Der Fröbel-Kindergarten legt Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern und darüber hinaus auf ein tiefergehendes Miteinander im Sinne Fröbels und kann dabei eine große Hilfe und Unterstützung in der Erziehung sein. Die Ausrichtung auf ein Miteinander drückt sich auch in der Pflege des Kontaktes zum Gemeinwesen aus. Offen nach außen gilt es, das Umfeld kennen-zulernen und Kontakte zu knüpfen, an gemeindlichen und kirchlichen Festen teilzu-nehmen. Nachbarn werden eingeladen, es finden Ausstellungen und Feste und auch Tage der Offenen Tür statt. Schon der erste Fröbelkindergarten in Bad Blankenburg hatte für alle „Kinderfreunde“ offene Türen. Dabei ist es damals wie heute das Ziel des Kindergartens, als Lobby für Kinder und ihre Familien im Rahmen der Gemeinde und darüber hinaus zu wirken.“ Die gesamt Kindergartenordnung, der auch der obige Auszug entnommen wurde, finden Sie hier: Kindergartenordnung_April_2014